Homemaker fever

„A homemaker is a person who makes it their purpose to provide a warm and inviting, comfortable home for their family.“

Ich weiß nicht wie es anderen berufstätigen Eltern, speziell Müttern geht, aber ich erlebe meinen Alltag immer in Phasen. Ich arbeite teilzeit von zu Hause aus, was mir natürlich die Möglichkeit gibt, viel Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Ich bin ein Homemaker aus Leidenschaft und genieße es richtig, nach mehreren Stunden Arbeit am Laptop „nur“ Haushalt zu machen.

Obwohl ich wirklich gerne arbeite und ich meine berufliche Situation auf keinen Fall anders haben möchte, denke ich doch trotzem mit Wehmut an die Zeit zurück, als meine Kinder noch klein waren und ich die Freiheit hatte, mich ganz auf meine Homemaker Projekte zu konzentrieren. Aus diesem Grund habe ich jetzt immer wieder Homemaking Phasen, je nachdem wie gestresst ich im Berufs- und Privatleben bin.

Was ist Homemaking für mich? Homemaking ist für mich Dinge selbst machen, selbst gestalten. Neue Dinge lernen, die eigenen Hobbies und Interessen zu Hause einbringen. Homemaking ist nicht nur das Haus sauber halten oder Ordnung in das Chaos bringen, sondern diese kleinen Einzelheiten und Feinheiten, die das Zuhause zu meinem eigenen machen. Seien es selbstgemachte Tees, ein selbstgemaltes Bild, die Pfanzen, die man selbst gezogen hat, das Bad dessen Fließen man selbst gestrichen hat, die alte Kommode, der man eine neue Farbe verpasst hat oder das frische Brot, das man mit dem hausgemachtem Sauerteig gebacken hat, die frisch gepflückten Blumen am Tisch.

Natürlich gibt es noch so vieles mehr, was man als Homemaker tun und lernen oder wo man sich finden kann. Homemaker möchten das Zuhause heimelig und gemütlich, einen Wohlfühlort für sich selbst und ihre Familien gestalten, möchten oft ihr eigenes Obst und Gemüse anpflanzen und sich zu Hause möglichst natürlich ernähren.

Ich selbst pflanze jährlich frische Kräuter in meinem Garten. Es gibt Kräuter die überwintern wie z.B. Rosmarin, Minze oder Zitronenmelisse. Aber es gibt auch Kräuter wie Basilikum, die ich jedes Jahr neu planzen muss. Früher habe ich im Garten auch Tomaten, Gurken und Paprika gepflanzt, was richtig toll war. Aus den Tomaten habe ich eigenes Ketchup und Salsa Soße eingekocht. Aber so ein Gemüsegarten braucht viel Pflege und mit meinen vielen Reisen (vor allem im Sommer) habe ich es einfach aufgegeben. Irgendwann fange ich vielleicht wieder damit an. Das hängt natürlich alles von den Prioritäten im Leben ab.

Ich habe füher oft selbst Brot gebacken oder Tortilla Wraps gemacht. Wer diesen Blog kennt weiß, dass ich in Serbien lebe und die Auswahl an Brotsorten ist hier am Balkan leider nicht so üppig wie in Österreich. Viele Menschen ernähren sich fast ausschließlich von diesem fluffigen Weißbrot, das einen absolut nicht satt macht. Und das war auch der Grund, warum ich oft selbst Brot gebacken habe. Vor über einem Jahr habe ich aber auf glutenfreie Ernähung umgestellt, und habe es danach einfach verabsäumt, selbst Brot zu backen. Ein Instagram Post einer lieben Freundin im Januar 2025 hat mir aber zu denken gegegen. Sie hatte sich zu Neujahr für das Jahr 2025 vorgenommen das ganze Jahr Brot ausschließlich selbst zu backen und keines zu kaufen. Das hat mich total inspiriert und auch motiviert. Denn selbst wenn ich kein glutenhaltiges Brot mehr esse, wäre es für meine Familie natürlich gesünder wenn ich Brot backe anstatt es zu kaufen. Zusätzlich erschien zu der Zeit in meinem Facebook Feed einmal ein einfaches Rezept für einen Sauerteig Starter. Ich weiß nicht warum, aber ich dachte immer, dass es total schwierig ist so einen Starter hinzubekommen, aber ich dachte mir, versuchen kostet ja nichts. Wider Erwarten ist mir der Starter geglückt und bestand nach ca. einer Woche Füttern und Warten den Float Test. Das erste Sauerteigbrot war ein voller Erfolg und ich habe seitdem fast jeden Tag ein frisches Brot gebacken und auch kein Brot mehr im Supermarkt gekauft.

Wenn man den Dreh erstmal raushat ist es relativ einfach den Starter stabil zu halten und täglich Brot zu backen. Ich füttere den Sauerteig ein paar Stunden bevor ich Brot backen möchte und den Brotteig setze ich meistens morgens oder abends an. Mittlerweile habe ich diesen ganzen Prozess schon so in meinen Alltag eingebaut, dass alles automatisch abläuft, so wie Zähneputzen. Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass es so einfach sein wird täglich Brot zu backen, aber mit einem Starter ist es tatsächlich sehr einfach, man muss nur immer genug Mehl zu Hause haben.

Ein weiterer Schritt wäre natürlich, hier in der Gegend jemanden zu finden, der Bio-Getreide verkauft, mir eine Mühle anzuschaffen und dann zu Hause mein eigenes Mehl herzustellen. Aber Landwirte, die in Serbien Bio-Getreide anbauen, zu finden scheint mir ein Ding der Unmöglichkeit. Ich habe zwar schon recherchiert, aber bisher noch nichts gefunden.

Mittlerweile habe ich auch, nachdem ich ein inspirierendes Reel auf Facebook gesehen hatte, ganz spontan Apfelessig angesetzt, nachdem uns ein Freund eine große Kiste Äpfel aus seinem Garten vorbei gebracht hat. Das ist das erste Mal, dass ich versucht habe Essig zu machen und habe mir als Info nur dieses eine Reel angesehen und absolut nichts darüber gelesen. Eine Ladung musste ich wegschütten, weil sie mir verschimmelt ist, aber auf meinen zwei anderen Ladungen hat sich eine „Essigmutter“ gebildet, von der ich vorher auch nichts wusste. Bald ist der Essig fertig und bereit zum testen.

Für mich darf in unserem Haushalt auch der Kombucha nicht fehlen, den ich täglich trinke und selbst herstelle. Und auch Käutersammeln gehört für mich zum Homemaking. Meine Tees bestehen fast ausschließlich aus selbstgesammelten Kräutern: Kamille, Lungenkraut, Johanniskraut, Schafgarbe, Brennessel, Hagebutte, Hollunder, Akazie, Salbei, Erbeerblätter. Aber auch zum Kochen finde ich auf Spaziergängen immer wieder geeignete Zutaten wie z.B. Vogelmiere oder Knoblauchsrauke. Pilzesammeln würde mich ebenfalls interessieren, aber davon habe ich viel zu wenig Ahnung und das würde ich mich allein nicht trauen.

Ich weiß nicht, ob es in den ländlicheren Gegenden in den Ländern Westeuropas anders ist, aber ich kenne es aus Wien nur so. Alle möglichen Obst und Gemüsesorten sind rund ums Jahr jederzeit verfügbar und sind während des Winters nicht allzu teuer. Das ist mittlerweile auch am Balkan ein Trend, zumindest in den größeren Städten. Aber als ich vor 15 Jahren meine Sachen packte und in eine serbische Kleinstadt zog, hatte ich verwöhntes Großstadt-Girl den Schock meines Lebens. Viele Obst- und Gemüsesorten, die ich bisher selbstverständlich auch in den Wintermonaten kaufen konnte, waren plötzlich unheimlich teuer bzw. im Winter überhaupt nicht verfügbar. Dort habe ich das erste Mal im Leben die Erfahrung gemacht, dass man diese überteuerten, importierten Produkte gar nicht kauft, sondern eher das, was saisonal und regional auf der Pijaca (Markt) verfügbar ist. Über den Sommer und im Herbst wird sehr viel eingekocht, eingefrohren, eingemacht, um im Winter über die Runden zu kommen.

Homemaking ist eine vielfältige Aufgabe in der man sich auch kreativ und beruflich ausleben kann und ich würde es auf keinen Fall mit dem altertümlichen Begriff „Hausfrau“ gleichsetzen. Es ist ein Gefühl, das man manchmal gar nicht in Worte fassen kann, aber ich habe ein paar Bilder, die dieses Gefühl ausdrücken…

Ja, es ist viel zusätzliche Arbeit, aber es lohnt sich und ich bin dankbar, dass ich die Freiheit habe, mich diesen Projekten/Hobbies zu widmen.

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