Eines kann ich vornweg sagen – die lange Anreise auf diese wunderschöne Insel hat sich gelohnt. Die östlichste Insel Dänemarks ist zwar klein, bietet aber sehr viel Abwechslung. Sie ist bei Radfahrenden ebenso beliebt wie bei Wandernden. Die nur etwa 40.000 Einwohner zählende Insel ist ausgesprochen familienfreundlich und das Wetter gilt als sonnenreich und bietet ein ausgesprochen angenehmes Klima. Das kann ich bestätigen – die Temperaturen zum Wandern sind ideal, und am wunderschönen Sandstrand in Sandkas, nur zwei Kilometer von unserer Unterkunft entfernt, kann man sich nicht nur wunderbar entspannen, sondern auch ein erfrischendes Bad in der kalten Ostsee nehmen. Die Sonneninsel Dänemarks besticht durch viel mehr Sonnenstunden als in anderen Teilen Dänemarks. Das Klima kann schon fast als mediterran bezeichnet werden und es wachsen hier sogar Feigen- und Pfirsichbäume und auch Wein wird angebaut.

Das Fahren mit dem Auto ist besonders entspannt: wenig Verkehr, kurze Distanzen, alle halten sich an Tempolimits. Ich bin noch kein einziges Mal überholt worden. Vielleicht ist das der allgegenwärtigen „Hygge“ geschuldet, oder es liegt an den hohen Geldstrafen für Geschwindigkeitsübertretungen. Egal, es ist auf jeden Fall entschleunigend. Sehr auffällig für mich als Wienerin sind die vielen ausgesprochen höflichen und fröhlich scheinenden Menschen. Ich bin ja eher den berühmten Wiener Grant gewohnt. Man grüßt sich freundlich mit breitem Lächeln und immer wieder werden wir auf Dänisch angesprochen. Nachdem man sich im Allgemeinen mit einem kurzen „Hi“ grüßt, kann man nicht ahnen, woher das Gegenüber kommt und es wird daher einfach Dänisch gesprochen. Viel mehr als Hi und Tak beherrsche ich nicht, aber auch das ist kein Problem, so gut wie alle hier sprechen Englisch oder sogar Deutsch. Laut Autokennzeichen machen hier hauptsächlich Leute aus Dänemark Urlaub, aber ich sehe auch immer wieder deutsche Kennzeichen, Polnische und inklusive meinem Auto – drei Österreichische.
Rönne ist die größte Stadt auf Bornholm. Die Häuser sind niedrig, meist ebenerdig, höchstens einstöckig. Es gibt viele alte Fachwerkhäuser. Die kleinen Fenster sind mit allerlei Krimskrams geschmückt. In der Altstadt gibt es eine Fußgängerzone mit kleinen Lädchen, Cafés und Restaurants. Alles wirkt ziemlich schnuckelig und niedlich.



Nexö ist die zweitgrößte Stadt, auch sie ist ähnlich wie Rönne. Obwohl es in Nexö nicht so viele alte Gebäude gibt. In den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges wurde die Stadt fast vollständig zerstört. Von 900 Häusern wurden über 800 schwer beschädigt, 175 davon vollständig zerstört.
Zu den beliebtesten Städten bei den Touristen zählen Svaneke und Gudhjem, die beide an der östlichen und südöstlichen Küste liegen. Und natürlich gibt es zahlreiche weitere kleine Örtchen, die malerisch an der Küste liegen. Im Norden ist die Küste felsig mit traumhaft schönen Klippenwanderwegen mit herrlicher Aussicht. Im Osten gibt es zahlreiche Strände, sowohl Sand als auch Felsen. Im Süden liegt der bekannte Sandstrand Dueodde mit dem feinsten Sand, fast wie Puder und weitläufigen Sanddünen. Am bestechendsten für uns ist aber die unberührte, spektakuläre und abwechslungsreiche Natur, und die gut ausgeschilderten und ausgebauten Wanderwege laden überall auf der Insel zum Wandern ein. Auch Radfahrer kommen voll auf ihre Kosten – entlang der Hauptrouten gibt es überall gut ausgebaute Radwege. Wer weder radfahren noch wandern will und auch kein Auto hat – es verkehren regelmäßig Busse, die die Städte und wichtigsten Touristenhotspots anfahren. Auch Campingplätze gibt es sehr viele und was wir so gesehen haben, sind sie gut ausgebaut.


Sandstrand in Dueodde
Unsere vielen Wanderungen führen uns über steile und weniger steile Klippenwege, (Es gibt einen Weg rund um Bornholm – den Kyststi – von uns liebevoll Küsti genannt) durch traumhafte Wälder, durch Steinbrüche (Granit) – davon gibt es auf Bornholm wirklich viele – über Brücken, traumhaft schöne Heidelandschaften, über Kuhweiden, an verwunschenen Waldweihern vorbei, an kleinen und großen Burgruinen vorbei, durch verschlafene Fischerdörfer, an Kirchen, Rundkirchen, Wassermühlen, Windmühlen und Leuchttürmen vorbei, durch Täler und an langen Bodenspalten vorbei. Am Wegrand wachsen Heidelbeeren in Hülle und Fülle – leider noch nicht ganz reif. Flach ist es nicht immer (wie mir vorhergesagt wurde), die Wege sind aber im Großen und Ganzen sehr gemütlich und nicht besonders herausfordernd. Einmal sind wir anders als im beschriebenen Weg gegangen und mussten dann über ein kleines Bächlein springen. Tja, was soll ich sagen, während die Tochter wie eine junge Gazelle den Sprung gemeistert hat, musste ich dann halt mit einem nassen Schuh die Wanderung beenden. 🙂
Hier ein paar Eindrücke von unseren zahlreichen Wanderungen.
































Wir haben auch so manches gelernt auf unseren Wegen. So haben z. B. in früheren Zeiten Fischer am Festland vorbeifahrenden Schiffen falsche Lichtzeichen gegeben, sodass sie aufgelaufen sind und diese dann von den Einheimischen geplündert wurden. So was aber auch.

Oder dass die eindrucksvolle Burg Hammershus die verhasste Burg bei den Bornholmern war.


Wir haben uns auch ein bisschen in die dänische Sprache verliebt. Wobei manche Worte wirklich süß klingen und andere aber unaussprechlich für uns bleiben.




Zwei Besonderheiten haben mich ziemlich beeindruckt, die ich nicht unerwähnt lassen mag. Das eine ist die Müllentsorgung mit dem Zero-Waste-Projekt und das andere hängt mit dem Zero-Waste-Projekt zusammen, und das sind die großartigen und zahlreichen Second Hand Läden, in denen man so ziemlich alles bekommt von Kleidung über Geschirr und Möbel bis zu Elektrogeräten, Spielsachen und vielem mehr. Überhaupt kann man oft in den Garagen irgendwelche gebrauchten Sachen von Privatpersonen erstehen. Entweder steht eine Geldkasse dabei oder man kann online Pay verwenden. Zum Zero Waste Projekt habe ich einen tollen Artikel im National Geographic gefunden – Bornholm will bis 2032 Restmüllfrei werden – also alles recyceln. Ich werde dieses visionäre Projekt auf jeden Fall mitverfolgen und wünsche den in Bornholm lebenden Menschen, dass es gelingen möge und so zum Vorbild werden kann.
Die Second Hand Läden gehören meist nicht zu irgendwelchen karitativen Einrichtungen, sondern dienen als Plattform für private Verkäufer und sind oft in einer großen Lagerhalle zu finden. Es gibt unterteilte Regale, die alle ziemlich gleich groß sind und diese sind so aufgebaut, dass sich jede Person so ein Regal mieten kann. Jedes Stück wird mit einem Preis und dem individuellen Code für den Verkäufer versehen. Ich als Einkäuferin kann von verschiedenen Ständen Sachen einkaufen, aber das Geld geht dann natürlich abzüglich der Gebühren an die betreffende verkaufende Person. Anfangs haben wir dieses System noch nicht ganz durchschaut und haben gemeint, dass z. B. in Nexö in der zweistöckigen Lagerhalle alles ein wenig chaotisch ist, aber dann haben wir das System dahinter erkannt und waren schlichtweg beeindruckt. So landen die Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, nicht auf dem Müll, sondern machen vielleicht jemand anderen glücklich.
Nach zehn Tagen auf dieser wunderschönen, beeindruckenden, abwechslungsreichen und warmen Insel mussten wir dann schweren Herzens Abschied nehmen. Auf der Heimfahrt hatten wir noch für drei Tage ein Tiny House mitten im Wald in der Mecklenburgischen Seenplatte gebucht. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, noch mal Urlaub in Dänemark zu machen. Und Bornholm – eine große Empfehlung meinerseits für alle, die es gern ruhig und entspannt haben. Kann auch „mitgenommen“ werden auf dem Weg nach Schweden. Die schwedische Küste ist nur knapp 40 km entfernt und es verkehren regelmäßig Fähren.

7 Antworten zu “Bornholm – die Sonneninsel”
Klingt toll, Bornholm würde mich auch als Reiseziel reizen. 😊👍
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Danke! Die Insel ist wirklich toll und ich kann sie sehr empfehlen!
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So ein schöner, kurzweiliger und ansprechender Beitrag! Da bekomm sogar ich als „Südländerfreak“ Lust auf den Norden!!
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Danke liebe Sabine für deinen Kommentar und deine lieben Worte!
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Schöner Bericht von meiner Lieblingsinsel – danke.
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Oh das freut mich aber! Sehr gerne! Ist jetzt auch meine Lieblingsinsel!
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Eingefleischte Bornholm-Urlauber sagen: Wer einmal da war, kommt immer wieder … ist einfach so. Liebe Grüße
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