Diesen Spruch über See und Meer hab ich vor einigen Jahren zum ersten Mal gehört, und tatsächlich hing er im Stiegenhaus unserer Unterkunft in Buchenort am Attersee, wo ich den jährlichen Urlaub mit der Berlintochter verbringe. Ich kann ihm zwar nicht zu 100 Prozent zustimmen, das Meer liebe ich viel zu sehr dafür, aber im schönen Salzkammergut gibt es wirklich die schönsten Seen Österreichs. Als die Kinder noch klein waren, haben wir ein paar Urlaube hier am Attersee verbracht – einem der schönsten Seen in Österreich (behaupte ich mal). Damals waren wir immer in Steinbach, am Fuße des Höllengebirges gelegen, mit direktem Seezugang mit Bootshaus und Schwimmsteg und Tretbooten und Ruderbooten. Schöne und erholsame Tage haben wir hier verbracht und die Kinder schwärmen noch heute davon.
Unsere Unterkunft beim diesjährigen Urlaub liegt auf der gegenüberliegenden Seite in dem kleinen idyllischen Örtchen Buchenort am Westufer des Attersees. Auch hier haben wir einen direkten Seezugang mit Bootshaus und Steg und der besonderen Annehmlichkeit eines Tunnels, der den Badestrand mit der Unterkunft verbindet, sodass wir nicht über die doch viel befahrene Straße müssen. Es ist Anfang September und der See ist aufgrund des langen und heißen Sommers ungewöhnlich warm mit ca. 23 Grad. Das Höllengebirge liegt jetzt vor uns, hinter uns ist es sanft hügelig. Wir genießen nicht nur herrliches Badewetter, sondern wir machen ein paar wunderschöne Wanderungen und erkunden die Gegend, je nach Wetter, das uns so ziemlich alles bietet – aber etwas anderes erwarten wir auch nicht vom Salzkammergut. Der Attersee ist ja nicht der einzige See hier, unsere Ausflüge erstrecken sich auf den nahe gelegenen Mondsee, den Traunsee und den Wolfgangsee. Das sind die größeren Seen hier, aber wir entdecken noch andere, kleinere Seen die nicht so bekannt sind, aber auf jeden Fall sehens und erwandernswert.

Das Salzkammergut ist ein einziges riesiges Wandergebiet mit den unterschiedlichsten Ansprüchen an Kondition und Ambition. Sogar ein Weitwanderweg führt auf dieser Seite des Attersees entlang. Unsere erste Wanderung führt uns von Nussdorf, ein kleines Stück nördlich von uns gelegen ins Rossmoos. Durch Wälder und saftige Wiesen erreichen wir diesen Aussichtspunkt, unterwegs haben wir immer wieder fantastische Ausblicke auf den türkisblauen See und die umliegenden Berge. Da es an diesem Tag doch recht warm ist, wollen wir nicht allzu lange wandern, sondern den Tag auch noch zum Baden nützen.



Das hat schon ein bisschen was von Heimatfilm-Kitsch 🙂
An einem Regentag spazieren wir im Weissenbachtal zum mystischen Nixenfall, ein malerischer Wasserfall, der in den dichten Wäldern rund um den Attersee versteckt liegt. Ein schöner Spaziergang durch den Wald, kinderwagen- und familientauglich – immer schön eben dahin mit vielen Stationen für Kinder. Der Wasserfall hat eine märchenhafte Atmosphäre, und die Legende besagt, dass hier einst Nixen lebten – Wasserwesen, die die Schönheit dieses Ortes schützten und Wanderer verzauberten, die dem Wasserfall zu nahe kamen. Wir waren auch verzaubert, nicht von den Nixen sondern von der Schönheit dieses mystischen und romantischen Ortes.
Am gleichen Tag spazieren wir am Nachmittag in einer Regenpause zum versteckt gelegenen Egelsee, einem kleinen Waldsee oberhalb von Buchenort. Hier allerdings immer bergauf…



Nixenfall im Weissenbachtal




Egelsee – Egelseemoor
Tags darauf zeigt das Regenradar dauerhaften Regen im Atterseegebiet, aber nicht am Traunsee. So machen wir einen Ausflug über die Großalmstraße „hinüber“ zum Traunsee nach Gmunden. Die Großalmstraße ist eine malerische Panoramastraße, die sich durch ein großartiges Wandergebiet schlängelt. Hier könnten wir tagelang wandern und die Natur genießen. Wenn es nicht regnen würde…


Wir genießen nur einen kurzen Stopp am idyllisch gelegenen Taferlklaussee, dann fahren wir weiter nach Gmunden, wo doch tatsächlich die Sonne durch die dichte Wolkendecke blinzelt.
Das Schloss Orth ist nicht nur die bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt sondern auch Wahrzeichen von Gmunden. Es liegt malerisch auf einer Insel im Traunsee und ist über eine Holzbrücke mit dem Festland verbunden. Es stammt aus dem 10. Jahrhundert und ist heute ein beliebter Veranstaltungsort für Hochzeiten und kulturelle Veranstaltungen. Besonders bekannt wurde das Schloss auch durch die Fernsehserie Schlosshotel Orth. Das Schloss besteht eigentlich aus zwei Teilen: dem Seeschloss, das auf der Insel liegt, und dem Landschloss am Ufer.

Gmunden ist auch berühmt für seine Keramikherstellung, insbesondere für die grün-weiße „Gmundner Keramik“. Die Manufaktur ist eine der ältesten in Europa und Besucher:innen können die Produktionsprozesse in Führungen miterleben oder sich im Werksverkauf ihre Lieblingsstücke aussuchen.
Das historische Rathaus von Gmunden am Rathausplatz ist ein sehenswertes Gebäude, das im barocken Stil erbaut wurde. Besonders bemerkenswert ist das Glockenspiel, das aus Keramikfiguren besteht und mehrmals täglich spielt.


Wir lassen uns einfach durch die schmalen Gässchen der Altstadt treiben und genießen dann ein Picknick am Seeufer.
Inzwischen hat es auch hier zu regnen begonnen und wir fahren mit dem Auto zum ehemaligen Schloss Cumberland (in Gmunden), einem beeindruckenden historischen Bauwerk, das eine interessante Geschichte aufweist und eng mit der österreichischen Monarchie verbunden ist. Das Besondere an diesem imposanten Bauwerk mit den turmartigen Aufbauten ist, dass es im neugotischen Tudorstil erbaut wurde und zwar vom Kronprinzen von Hannover und 3. Duke of Cumberland. Heute wird das Schloss als Pflegeheim genützt und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, aber man kann durch den weitläufigen wunderschönen Park spazieren.

Da wir uns nach diesem Stadt- und Kulturspaziergang noch etwas bewegen wollen, fahren wir trotz heftigen Regens zu den Langbathseen, die oberhalb von Ebensee liegen, am anderen Ende des Traunsees. Die Straße erinnert mich an Montenegro – schmal und kurvig, aber wenigstens sind keine anderen Autos unterwegs. Das Wetter meint es gut mit uns – als wir oben angekommen noch überlegen ob wir trotz Regen die zweistündige Umrundung der beiden Seen wagen sollen hört es auf zu regnen und so stapfen wir fröhlich los. Eine sehr gute Entscheidung und ein Höhepunkt unseres Urlaubs. Die Langbathseen gehören zu den reinsten Seen in Österreich, was durch ihre Lage in einem nahezu unberührten Berggebiet und den Schutz als Naturdenkmal unterstützt wird. Das Wasser der Seen ist besonders klar und bietet bei gutem Wetter beeindruckende Spiegelungen der umliegenden Berge. Die Seen werden von unterirdischen Quellen gespeist und haben daher eine gleichmäßige Temperatur. Das Wasser ist relativ kalt, was aber typisch für Gebirgsseen ist. Wir sind besonders vom hinteren Langbathsee verzaubert. So etwas Schönes haben wir schon lange nicht gesehen und so stehen wir und staunen nur ob dieser beeindruckenden Kulisse. Seht selber:


Als wir schon wieder auf dem Rückweg sind, kommen uns zwei Personen entgegen, die wir sehr gut kennen – unfassbar – mein Bruder und meine Schwägerin. Die beiden wohnen am Traunsee und gehen hier gerne spazieren – so ein Zufall, dass wir uns an diesem Regentag trotzdem begegnen. Kurz entschlossen drehen wir mit den beiden eine weitere Runde und hüpfen alle zusammen vor dem Heimfahren noch in den eiskalten See und schwimmen eine Runde. Was für ein grandioser Abschluss dieses Tages.
Am nächsten Tag planen wir eine Wanderung am Wolfgangsee – von St. Gilgen nach St. Wolfgang und mit dem Schiff zurück. Die Wanderung führt am und über dem Wolfgangsee entlang und folgt einem alten Pilgerweg, der schon im Mittelalter Gläubige aus dem Salzburger Raum nach St. Wolfgang brachte. In der Falkenschlucht erinnern zahlreiche Andachtstätten an den Regensburger Bischof Wolfgang, der hier im 10. Jahrhundert gegen Teufelsanbetung und Aberglauben kämpfte und eine Kapelle erbauen ließ. So die Geschichte. Die Wettervorhersage hält, was sie verspricht, es ist strahlend schön und sehr warm. Wir schlendern erst durch das schnuckelige St. Gilgen – es scheint fast, als ob hier die Zeit stillsteht.



St. Gilgen ist der Geburtsort von Mozarts Mutter
Am Anfang der Wanderung geht es recht beschaulich einen Uferweg entlang – sehr gemütlich und vor allem flach bevor es in der Falkenschlucht steil hinauf geht – und mit steil meine ich wirklich steil. Aber wir werden reich belohnt. Es geht oberhalb des Sees teilweise auf einem Felsplateau entlang mit grandiosen Ausblicken und teilweise durch dichte Wälder. Traumhaft kann ich nur sagen.




Nach über drei Stunden kommen wir glücklich, verschwitzt und müde in St. Wolfgang an. Diese Wanderung ist unser zweites Highlight der Woche. St. Wolfgang ist noch viel schnuckeliger als St. Gilgen. Und viel kitschiger und viel voller mit Touristen. Ist uns aber egal, wir sind viel zu beseelt von dieser unglaublich schönen Wanderung und lassen uns durch die Gässchen treiben, staunen über die Häuserfassaden, kaufen Souvenirs, machen Fotos vom weißen Rössl und essen wohlverdienten Apfel- und Topfenstrudel (für unsere deutschen Leser:innen – Quarkstrudel 🙂 und fahren dann gemütlich per Schiff zurück nach St. Gilgen.


Die beiden letzten Tage unseres Urlaubs am Attersee sind leider wirklich geprägt von heftigem Regen, und was wir noch nicht ahnen – dies führt zu den schweren Überschwemmungen und Hochwasser in vielen Teilen des Landes. An einem Tag umrunden wir trotzdem noch den schönen Schwarzensee – oberhalb vom Wolfgangsee gelegen. Sind aber nach einer Stunde trotz Regenhosen und Regenjacken nassgefroren. Am zweiten Regentag fahren wir in die Therme nach Bad Ischl und lassen es uns dort im warmen Thermalwasser und in der Sauna gut gehen.


Schwarzensee
Den allerletzten Tag verbringen wir in der schönen Stadt Salzburg. Leider regnet es auch hier ununterbrochen und so schwimmen wir ein wenig durch die Altstadt und hoffen, dass wir am nächsten Tag heil nach Berlin und Wien kommen.




Am Bahnhof herrscht unbeschreibliches Chaos, da die Bahnstrecke zwischen Salzburg und Wien wegen des Hochwassers bereits gesperrt ist, zum Glück schafft es die Berlintochter in einen Zug nach München und von dort nach Berlin zu erwischen. Ich habe weniger Glück. Die Autobahn ist mittlerweile ab St. Pölten gesperrt, ebenso zwei Haupteinfahrten nach Wien. Die Ausweichrouten sind keine Alternativen, da ich noch mit Sommerreifen unterwegs bin und über Schladming fahren müsste. Und auf den Bergen um Salzburg liegt überall Schnee… Zum Glück habe ich Familie in Oberösterreich die mir Unterkunft gewährt – so komme ich erst zwei Tage später als geplant aus diesem Urlaub nach Hause. Aber das ist mir egal – ich habe nicht wie so viele andere alles durch das Hochwasser verloren.
Das Salzkammergut hat viel zu bieten und wir haben längst noch nicht alles gesehen. Viele Wanderungen warten noch auf uns und so versprechen wir, dass wir wiederkommen.
Übrigens war ich inzwischen am Meer, im hohen Norden Deutschlands, mit meiner Schwester. Anscheinend brauche ich sowohl See als auch Meer 🙂 Der Bericht folgt demnächst.
