Anfang Oktober machen meine Schwester und ich uns auf den langen Weg nach Rügen. Wir lieben die Ostsee und freuen uns schon unbändig auf das Meer, die Luft, die Wälder und was Rügen sonst noch alles zu bieten hat. Wir haben uns vorab eine private Unterkunft in der Nähe von Binz gebucht, in Prora. Ein sehr nettes Appartement in der Nähe vom Strand, Bushaltestelle und Zugstation. Ein idealer Ausgangspunkt für alle Ausflüge, die wir unternehmen wollen. Ich war ja schon zweimal, allerdings nur kurz, auf Rügen und kannte schon ein paar schöne Orte. Schon vorab hatten wir über den Koloss von Prora gelesen und bei unserem ersten Strandausflug staunen wir nicht schlecht über dieses kilometerlange Gebäude.
Der Koloss von Prora
ist ein beeindruckendes, monumentales Bauwerk. Das riesige Gebäude erstreckt sich über etwa viereinhalb Kilometer entlang der Küste und ist eines der größten architektonischen Relikte des Dritten Reiches. Geplant wurde es ab 1936 von der Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF), die unter dem nationalsozialistischen Regime verschiedene Freizeit- und Erholungsangebote für deutsche Arbeiter anbot.
Prora wurde als riesiges Seebad konzipiert, das Platz für etwa 20.000 Urlaubsgäste bieten sollte. Es war ein Prestigeprojekt der Nationalsozialisten, das sowohl Erholung für die deutsche Bevölkerung als auch eine Darstellung der Stärke und Macht des Regimes symbolisieren sollte. Die Gebäudezeilen wurden parallel zur Küste errichtet, um jedem Zimmer Meerblick zu bieten. Die Architektur sollte streng, modern und einheitlich wirken, und die Planung umfasste neben den Wohnblocks auch Sportanlagen, Theater und Kinos – alles, um ein „Volksseebad“ zu schaffen, das Erholung und Gleichheit für alle Klassen repräsentieren sollte.
Mit dem Bau begann man 1936, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 setzte dem Projekt ein abruptes Ende. Die Rohbauten standen bereits, aber die geplante Ausstattung und Fertigstellung wurden nicht mehr verwirklicht. Stattdessen diente Prora während des Krieges verschiedenen militärischen Zwecken. Nach dem Krieg übernahmen sowjetische Truppen das Gelände, und später nutzte die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR die Gebäude als Kaserne und Ausbildungslager.
Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 lag Prora zunächst brach und verfiel zunehmend. Doch ab den 2000er Jahren begannen Pläne, das Gebäude umzubauen und neue Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen. Heute beherbergt der Koloss von Prora eine Mischung aus Ferienwohnungen, Hotels, Museen und Ausstellungsräumen. Es gibt auch eine Jugendherberge und diverse Freizeitangebote, die das Areal beleben und touristisch zugänglich machen.
Der Koloss von Prora ist heute ein faszinierendes Beispiel dafür, wie historische Bauten mit problematischer Vergangenheit umfunktioniert werden können. Teile des Komplexes stehen mittlerweile unter Denkmalschutz und erinnern an die ideologisch geprägte Architektur des NS-Regimes und die propagandistische Idee der KdF. Prora ist jedoch auch ein lebendiger Ort geworden, der von seiner Umgebung, der Ostsee und der Landschaft Rügens profitiert.
Der Koloss von Prora ist ein Ort voller Kontraste: Er symbolisiert sowohl die dunkle Vergangenheit Deutschlands als auch den heutigen Wandel und die Umnutzung zu einem modernen Ferienort. Durch seine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte und seine Dimensionen bleibt Prora eine bemerkenswerte Sehenswürdigkeit und ein Mahnmal – ein Bauwerk, das nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Möglichkeiten der Erneuerung und Umgestaltung widerspiegelt.




Die Insel Hiddensee
Unser erster Ausflug führt uns auf die kleine Insel Hiddensee, eine malerische, autofreie Ostseeinsel westlich von Rügen. Bekannt für ihre unberührte Natur, ihren Charme und ihre ruhige Atmosphäre, zieht Hiddensee jedes Jahr zahlreiche Besucher:innen an, die Erholung und Naturerlebnisse suchen, so auch uns. Mit nur etwa 17 Kilometer Länge und knapp 4 Kilometer Breite ist sie eine kleine und überschaubare Insel. Besonders markant ist der Dornbusch mit seiner Steilküste und dem weithin sichtbaren Leuchtturm, der als Wahrzeichen der Insel gilt. Die Landschaft auf Hiddensee besteht aus Dünen, Heiden, Wiesen und Wäldern und bietet eine große Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen. Wir fahren mit der Fähre von Schaprode auf Rügen in den Ort Vitte und spazieren gemütlich bis Kloster durch eine malerisch schöne Heidelandschaft.




Hiddensee hat sich durch die Zeit als eine Art Künstlerinsel etabliert. Der Dichter Gerhart Hauptmann, der viele Sommer auf der Insel verbrachte, ließ sich hier in Kloster sogar eine kleine Villa erbauen, die heute als Gerhart-Hauptmann-Haus und Museum besichtigt werden kann. Wir schlendern aber weiter und kommen an unzähligen Restaurants, Cafés, Ferienunterkünften, Souvenirläden und den überall präsenten Fischbrötchenbuden vorbei. Neben den unterschiedlichsten Fischbrötchen gibt es noch Sanddorn als Spezialität in jeder möglichen Form. Wir genießen einen ausgesprochen leckeren Sanddorn-Quark-Kuchen.
An der Westseite der Insel spazieren wir am Strand entlang wieder zurück Richtung Vitte.





Die Zeit vergeht viel zu schnell und wir haben längst nicht alles von dieser beschaulichen Insel gesehen und so sind wir ein wenig traurig, dass wir schon wieder zurück müssen, die letzte Fähre geht bald. Einen Eindruck haben wir bekommen und so versprechen wir uns, dass wir eines Tages wiederkommen und länger bleiben.



Binz und Sellin
Einen Tag widmen wir den Ostseebädern Binz und Sellin.
Das Ostseebad Binz ist das größte und bekannteste Seebad auf der Insel Rügen. Es ist besonders beliebt für seinen feinsandigen Strand, die historische Bäderarchitektur und die breite Palette an Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten.
Binz wurde bereits im 19. Jahrhundert als Seebad entdeckt. Ab 1830 kamen die ersten Badegäste auf die Insel, und in den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Binz zu einem der elegantesten Seebäder der Ostsee. Der Ort wurde insbesondere durch die Bäderarchitektur geprägt, die vom Reichtum und der mondänen Lebensweise des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zeugt. In dieser Zeit entstanden viele der prachtvollen Villen, Hotels und Pensionen, die sich entlang der Uferpromenade reihen und bis heute das Erscheinungsbild des Ortes prägen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und während der DDR-Zeit entwickelte sich Binz weiter als beliebtes Urlaubsziel für Touristen aus der DDR, jedoch oft in eher einfacher Form und ohne den Glanz früherer Zeiten. Seit der Wiedervereinigung Deutschlands hat Binz eine umfassende Restaurierung und Modernisierung erlebt, die ihm seinen alten Glanz zurückgegeben hat.
Die Bäderarchitektur ist das Herzstück von Binz und macht das Seebad so einzigartig. Die historischen Villen entlang der Strandpromenade und in der Innenstadt zeichnen sich durch ihre weißen Fassaden, filigranen Balkone, Veranden und Ornamente aus und versprühen eine nostalgische Atmosphäre. Die Strandpromenade von Binz erstreckt sich über knapp vier Kilometer und lädt zum Flanieren und Verweilen ein. Entlang der Promenade findet man zahlreiche Cafés, Restaurants und Boutiquen.
Ein Wahrzeichen von Binz ist die Seebrücke, die mit einer Länge von 370 Metern weit in die Ostsee hinausführt und einen herrlichen Blick auf die Küste bietet. Sie ist ein beliebter Ort für Spaziergänge und ein Symbol des Seebads, das an die traditionsreichen Anfänge als Badeort erinnert.


Der Strand von Binz ist einer der schönsten an der Ostsee: breit, feinsandig und flach abfallend, was ihn besonders für Familien und Erholungssuchende attraktiv macht. In den Sommermonaten kann man hier baden, sonnen und zahlreiche Wassersportarten ausprobieren. Der Strand ist durch seine Sauberkeit und Sicherheit bekannt und bietet verschiedene Strandabschnitte, darunter auch spezielle Bereiche für Hunde und FKK.
Binz ist nicht nur ein Ort der Entspannung, sondern auch ein kultureller Anziehungspunkt. Im Sommer finden zahlreiche Konzerte, Lesungen und Veranstaltungen statt, darunter das jährliche Blue Wave Festival, ein renommiertes Blues- und Jazzfestival, sowie die beliebten Promenadenkonzerte. Auch das Kurhaus von Binz, ein prächtiges Gebäude im Stil der Bäderarchitektur, bietet das ganze Jahr über kulturelle Veranstaltungen und ist ein bedeutender Treffpunkt im Ort.
Jetzt, Anfang Oktober ist es aber vergleichsweise ruhig, obwohl sich immer noch viele Tourist:innen an der Promenade tummeln. Letztes Jahr war ich im Juni hier, da war es so richtig voll.
Wir finden, das Ostseebad Binz ist ein faszinierender Ort, der durch seine einzigartige Mischung aus historischer Architektur, wunderschöner Natur und moderner Infrastruktur besticht. Es vereint den Charme vergangener Zeiten mit den Annehmlichkeiten eines modernen Ferienortes und es ist verständlich, dass es eines der beliebtesten Urlaubsziele an der deutschen Ostsee ist.
Das Ostseebad Sellin ist eines der schönsten und bekanntesten Seebäder auf der Insel. Malerisch am Fuße der Steilküste und umgeben von Buchenwäldern gelegen, zieht Sellin Besucher mit seiner historischen Bäderarchitektur, der berühmten Seebrücke und seiner atemberaubenden Küstenlandschaft an.
Sellin wurde um die Jahrhundertwende, im späten 19. Jahrhundert, zum Badeort. Die Entwicklung des Tourismus und der Bau der Strandpromenade verwandelten das einstige Fischerdorf in einen eleganten Badeort, der besonders für seine prächtigen Villen im Stil der Bäderarchitektur bekannt wurde. Viele dieser Gebäude sind erhalten geblieben und prägen bis heute das Ortsbild von Sellin.
Wie viele Ostseebäder erlebte Sellin in der DDR-Zeit einen Wandel und wurde als Urlaubs- und Erholungsort weitergeführt, wenn auch mit eingeschränkten Ressourcen. Nach der Wiedervereinigung wurde der Ort umfangreich restauriert, die historische Bäderarchitektur liebevoll erneuert und die Infrastruktur modernisiert.
Das bekannteste Wahrzeichen von Sellin ist die Seebrücke, die größte ihrer Art auf Rügen. Sie erstreckt sich 394 Meter in die Ostsee und bietet einen fantastischen Blick auf die Küste und das Meer. Die erste Seebrücke wurde 1906 erbaut und war schon damals ein beliebter Treffpunkt für Badegäste. Im Laufe der Zeit wurde die Seebrücke mehrmals durch Sturmfluten und Brände zerstört, zuletzt 1920, und musste immer wieder neu aufgebaut werden. Die heutige Seebrücke stammt aus den 1990er Jahren und orientiert sich am historischen Original.
In der Mitte der Seebrücke befindet sich ein imposantes Gebäude mit einem Restaurant und einer Tauchgondel, in der Besucher abtauchen und die Unterwasserwelt der Ostsee beobachten können. Die Seebrücke ist ein romantischer Ort und beliebtes Fotomotiv, vor allem bei Sonnenuntergang.





Sellin ist, ebenso wie Binz, bekannt für seine wunderschön erhaltene Bäderarchitektur, die besonders entlang der Wilhelmstraße zu bewundern ist. Die prachtvollen Villen mit ihren weißen Fassaden, kunstvollen Veranden und verzierten Balkonen spiegeln den Charme der Gründerzeit wider. Die Wilhelmstraße führt direkt zur Seebrücke und ist das pulsierende Herz des Ortes. Entlang dieser Straße findet man zahlreiche Cafés, Restaurants, Boutiquen und kleine Geschäfte, die zum Flanieren und Verweilen einladen.
Der Strand von Sellin liegt direkt unterhalb der Steilküste und ist über die historische Holztreppe oder bequem über einen Aufzug zu erreichen.



Sellin bietet das ganze Jahr über eine Vielzahl an kulturellen Veranstaltungen und Events. Im Sommer finden regelmäßig Kurkonzerte, Strandfeste und Filmvorführungen am Strand statt. Die Seebrücke ist zudem ein beliebter Ort für Hochzeiten und andere feierliche Anlässe und lockt mit festlichem Ambiente und einem einzigartigen Blick über die Ostsee. Wir sind auf jeden Fall ziemlich beeindruckt von der Schönheit dieses Ortes.
Sassnitz
Meine Schwester ist ein Fan der Fernsehserie Praxis mit Meerblick und so steht natürlich auch Sassnitz auf unserer Liste, da in Sassnitz einige der Drehorte liegen. Leider ist am Tag unseres Besuches das Wetter sehr wechselhaft, kalt und regnerisch und wenig einladend für eine ausgedehnte Besichtigung, aber einen Eindruck bekommen wir.
Der Hafen von Sassnitz ist das Herzstück der Stadt. Er gilt als einer der ältesten Fischereihäfen Deutschlands und vereint modernen Schiffsbetrieb mit traditioneller Fischerei. Neben den Fischerbooten, die täglich frischen Fisch anlanden, gibt es hier Ausflugsschiffe, die Touren entlang der Kreideküste oder bis zur benachbarten Insel Hiddensee anbieten. Im Hafenbereich befinden sich Fischräuchereien, Restaurants und kleine Geschäfte, die frische Fischspezialitäten und regionale Produkte verkaufen.
Eine besondere Attraktion ist die Mole von Sassnitz, die mit über 1.450 Metern die längste Außenmole Europas ist. Ein Spaziergang entlang der Mole bietet fantastische Ausblicke auf die Ostsee und die Küste und endet am Leuchtturm, der ein beliebtes Fotomotiv ist. Uns ist es bei unserem Besuch zu windig und kalt für einen Spaziergang an der Mole entlang. Wir werden aber bei einem Spaziergang durch Alt-Sassnitz belohnt. Die Altstadt von Sassnitz ist geprägt von kleinen Gassen, die sich den Hang hinaufziehen, und bietet einige historische Sehenswürdigkeiten, wie die St.-Johanneskirche, die das älteste Gebäude der Stadt ist.




Lietzow mit Hexenwald und Krüppelbuchen
Am Nachmittag eines Regentages, wagen wir einen Ausflug nach Lietzow am Jasmunder Bodden. Wir wollen den Semper Park erkunden und uns in den Hexenwald mit den Krüppelbuchen wagen. Das Schloss Semper ist leider hinter einem hohen Zaun verborgen, aber der Weg durch den Wald ist märchenhaft und von den Krüppelbuchen sind wir sehr beeindruckt. Ein wahrhaft mystischer Ort.







Am Ende unseres Spaziergangs kommen wir noch an der Orangerie des Schloss Semper vorbei und genießen noch ein wenig den Strand des Jasmunder Bodden.



Nationalpark Jasmund
Am vorletzten Tag wollen wir in den Nationalpark Jasmund erwandern. Das Wahrzeichen des Nationalparks Jasmund ist die markante Kreideküste, die sich entlang der Ostsee erstreckt und steil bis zu 161 Meter in die Höhe ragt. Der berühmte Königsstuhl, ein beeindruckender 118 Meter hoher Kreidefelsen, ist das bekannteste Naturdenkmal der Region und bietet eine spektakuläre Aussicht auf das Meer und die umliegende Küstenlandschaft. Dieser Felsen gilt als eines der beliebtesten Fotomotive Rügens.
Die Küste besteht aus leuchtend weißen Kreidefelsen, die vor etwa 70 Millionen Jahren entstanden sind und bis heute durch Wind und Wasser geformt werden. Die ständige Erosion der Kreidefelsen schafft ein dynamisches Küstenbild, das sich durch Abrutschungen und Landverluste stetig verändert.
Die alten Buchenwälder im Nationalpark Jasmund zählen zu den letzten weitgehend naturbelassenen Buchenwäldern Europas und sind daher von hoher ökologischer Bedeutung. Die uralten Bäume bieten zahlreichen seltenen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum und sind besonders beeindruckend, wenn sie im Frühling grün austreiben oder im Herbst in goldenen Farben leuchten. In diesen Wäldern kann man seltene Orchideenarten, Pilze und Moose finden, die sich hier ungestört entfalten können.
Wir wandern vom großen Parkplatz nahe Lohme bis zum Nationalpark-Zentrum Königstuhl und dann weiter den Hochuferweg Richtung Sassnitz bis zum Wasserfall Kieler Bach. Hier am Strand sammeln wir jede Menge Hühnergötter bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen. Hühnergötter sind Steine mit einem natürlichen Loch, die man besonders häufig an den Küsten der Ostsee und Nordsee findet. Es handelt sich meist um Feuersteine, die durch den langen Einfluss von Wasser und mechanischer Einwirkung – wie etwa Reibung mit Sand und anderen Steinen – ein Loch in ihrer Mitte entwickelt haben. Hühnergötter werden oft als Glücksbringer betrachtet und haben in verschiedenen Kulturen und Regionen eine lange Tradition als Talismane.








Kap Arkona
An unserem letzten Tag fahren wir die weiteste Strecke. Es geht ganz in den Norden der Insel zum Kap Arkona. Vom Parkplatz vor Putgarten spazieren wir ins kleine Fischerdörfchen Vitt. Mit seinen reetgedeckten Fischerhäusern, die sich an die Steilküste schmiegen, wirkt das Dorf wie ein kleines Freilichtmuseum. In Vitt gibt es eine kleine, achteckige Kapelle, die im 19. Jahrhundert gebaut wurde und heute ein beliebtes Fotomotiv ist. Als wir vorbei spazieren, hält grade eine Kutsche mit einem Hochzeitspaar vor der Kapelle.
Nach dem obligatorischen Fischbrötchen wenden wir uns Richtung Kap Arkona, auf dem Weg oberhalb der Steilküste. Am markantesten sind die beiden Leuchttürme des Kap Arkona, die man schon aus einiger Entfernung ausmachen kann. Der ältere Leuchtturm ist nicht mehr in Betrieb. Er ist der zweitälteste Leuchtturm an der Ostseeküste und fungiert heute als Standesamt, Ausstellungsort und Aussichtsplattform. Den größeren der Leuchttürme, der immer noch sein Licht auf die Ostsee hinaus sendet, kann man ebenfalls besteigen und den fantastischen Rundblick genießen, bei klarem Wetter sogar bis hinüber zur dänischen Insel Møn. Gegenüber steht noch ein Turm, ein ehemaliger Marinepeilturm, der heute ebenfalls für Ausstellungen genutzt wird.
In unmittelbarer Nachbarschaft kann man große Erdwälle ausmachen. Das sind Reste der berühmten Jaromarsburg, einer slawischen Festungs- und Tempelanlage der Ranen, die dem Ranengott Svantevit gewidmet war und 1168 durch die Dänen erobert und zerstört wurde. Inzwischen sind große Teile der Burgreste durch Abbrüche ins Meer gesunken, da sich das Kap Arkona direkt auf einer Steilküste befindet, die regelmäßig brökelt. Auf einer Schautafel lesen wir, dass es vor etlichen Jahren sogar ein Todesopfer durch einen solchen Abbruch gab.







Wir kommen auf dem Rundweg um das Kap an zahlreichen kleinen Kunsthandwerkstätten vorbei, wobei fast überall Bernstein im Mittelpunkt steht. Bald sind wir wieder zurück in Putgarten, ein beschaulicher kleiner Ort der autofrei ist und daher besonders entspannt. Putgarten ist auch bekannt für seine kleine Künstler- und Handwerkergemeinde. Im Zentrum des Dorfes gibt es mehrere kleine Geschäfte, in denen lokale Kunsthandwerker ihre Arbeiten präsentieren und verkaufen. Hier findet man alles von handgefertigten Schmuckstücken über kunstvolle Holzarbeiten bis hin zu Gemälden, die die Küstenlandschaft und Natur der Region widerspiegeln. Besucher:innen können sich bei einem Bummel durch die kleinen Ateliers und Werkstätten umsehen, Souvenirs erwerben und mit den Künstlern ins Gespräch kommen.
Eine der Hauptattraktionen in Putgarten ist der Rügenhof, ein ehemaliger Gutshof, der heute ein beliebtes Ziel für Tourist:innen ist, so auch für uns. Der Rügenhof vereint mehrere Läden, Werkstätten und Cafés und ist ideal für einen entspannten Zwischenstopp. Auf dem Hofgelände gibt es Ausstellungen über die Kultur und Geschichte der Region, sowie ein breites Angebot an regionalen Produkten wie Sanddornlikör, Keramik, Bernstein und handgefertigten Souvenirs. Im Sommer finden auf dem Rügenhof auch oft kleine Feste und Veranstaltungen statt, die das kulturelle Leben im Dorf bereichern.


Und sonst?
Was wir sonst noch so machen? Jeden Tag spazieren wir zu „unserem“ Strand hinter dem Koloss von Prora. Der Sand ist fest und so machen wir kilometerlange Spaziergänge, genießen das besondere Flair und lassen uns die Meeresbrise um die Nasen wehen!







Parken – nicht so einfach auf Rügen
Noch ein paar Worte zum Parken auf Rügen.
Das Parken auf Rügen ist gut organisiert, um den Verkehr besonders in beliebten Touristenorten und Naturschutzgebieten zu entlasten. Viele Orte und Sehenswürdigkeiten auf der Insel setzen auf zentrale Parkplätze am Ortsrand, von denen aus man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Shuttle-Bussen weiterkommen. Dies hilft, die Ruhe und Schönheit der Natur zu bewahren und überfüllte Straßen in den kleinen Küstenorten zu vermeiden. Dieses Konzept finde ich grundsätzlich gut. Und genau, jetzt kommt das große ABER: Zahlen fürs Parken müssen wir bis auf einen Parkplatz in Sassnitz-Dwasieden IMMER. Ist auch gut, ABER, nicht immer können wir zahlen. Viele der Parkautomaten sind so konzipiert, dass man entweder nur mit Münzen zahlen kann oder mit einer deutschen EC-Karte. Meine österreichische EC Karte wurde genau zwei Mal akzeptiert. Für Scheine sind die meisten Parkautomaten zu klein. Ich habe mich wirklich geärgert, da ich ständig eine Rolle Münzen mit mir führen hätte müssen, um die Parkgebühren zu zahlen. Sogar der wirklich große Parkplatz in Lohme am Jasmunder Nationalpark hat keine ausländischen EC-Karten akzeptiert. Mehrmals mussten wir uns nach einem neuen Parkplatz umsehen, da wir keine Möglichkeit zum Zahlen hatten. Und das hat auch bedeutet, dass wir auf die teureren weil zentrumsnäheren Parkplätze ausweichen mussten – wo dann wundersamerweise zahlen mit Scheinen oder nicht deutscher EC Karte möglich war. Das hat mich dann doppelt geärgert, weil die Parkgebühren je nach Standort sehr stark variieren und ich ja gerne zu Fuß gehe und lieber etwas außerhalb parke.
Aber dieses Problem werden wir bei unserem nächsten Besuch nicht haben, wir haben entdeckt, dass es eine direkte Zugverbindung von Wien nach Binz gibt. Ganz gemütlich und ohne stressige Anreise. Wer hätte das gedacht?
Unser Fazit:
Ein Urlaub auf Rügen bietet eine wunderbare Mischung aus beeindruckender Natur, historischen Sehenswürdigkeiten und idyllischer Ruhe, die sich perfekt für Erholung und Entdeckungstouren eignet. Die Insel besticht durch ihre vielfältigen Landschaften: endlose Strände, üppige Wälder, weite Felder und verträumte Dörfer.
Die gut ausgebauten Wander- und Radwege laden dazu ein, die Schönheit der Insel aktiv zu erkunden, während die zahlreichen Sehenswürdigkeiten für Abwechslung und kulturelle Highlights sorgen. Dazu kommt die Möglichkeit, die regionale Küche und Produkte zu genießen, die von frischem Fisch bis zu Sanddorn-Delikatessen reichen.
Ein Urlaub auf Rügen ist somit ideal für alle die die Natur lieben, aktiv sein wollen und kulturelle Unterhalten schätzen. Die besondere Atmosphäre der Insel mit ihrer Ruhe und Ursprünglichkeit macht den Aufenthalt zu einem echten Erholungserlebnis, das lange in Erinnerung bleibt. Wir kommen wieder 🙂
