Die Heilkraft der Natur

Naturheilmittel, Hausmittel, Alternativmedizin. Wie man es auch nennen mag, für mich gehören Kräuter und Hausmittel zu einem minimalistischen Lebensstil dazu. Was Schulmedizin und Alternativmedizin betrifft, gibt es Pros und Contras für beide und ich versuche da immer für mich und meine Familie einen Mittelweg zu finden, der weder das eine noch das andere ausschließt.

Generell finde ich aber, dass man viele herkömmliche Arzneimittel auch durch Naturheilmittel ersetzen kann, wenn man sich ein wenig mit Kräutern auskennt. Ich bin keine Expertin, sondern habe mir die letzten Jahre über mein Wissen über learning by doing angeeignet.

Natürlich gibt es Situationen und Momente im Leben, in denen man dann doch einlenken und Wort wörtlich die bittere Pille schlucken muss, aber in anderen Fällen kann es durchaus vermieden werden, Medikamente zu nehmen.

Ich lebe schon seit einigen Jahren in Serbien und ich glaube, ich kann an einer Hand abzählen, wie oft ich hier meinetwegen beim Arzt war. Ich versuche Arztbesuche hier einfach zu vermeiden, weil das System, bis auf ein paar Ausnahmen, noch sehr stark Schulmedizinisch ist. Das ist ja an sich nicht so schlimm, aber aufgrund meiner Kinder habe ich schon öfters mit diesem System gehadert.

Eigentlich bringe ich meine Kinder nur zum Arzt, wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt. Hier ist es allerdings eher üblich, dass die Eltern ihre Kinder schon beim ersten Symptom zum Arzt schleppen. Die erste Frage, wenn meine Kinder mal verkühlt sind, Fieber haben oder sich übergeben ist auch: „Warst du schon beim Arzt?“ Nein, ich war noch nicht beim Arzt. Ich warte erst einmal ab, wie sich die Lage entwickelt und was sich mit Hausmitteln bewirken lässt. Sollten sich die Symptome nicht bessern bzw. verschlimmern gehe ich mit ihnen natürlich zum Arzt, aber eben nicht wegen jeder Kleinigkeit. Das mache ich erstens so, weil ich das so von meiner Mutter gelernt habe und ich denke, manche Dinge übernehmen wir so, wie unsere Eltern sie uns vorgelebt haben. Mein zweiter Grund ist, dass meine Kinder jedes Mal wegen jedem Husten und jedem Schnupfen ein Antibiotikum verschrieben bekommen. Keine Übertreibung, wirklich jedes Mal, und zwar einfach so ohne Bluttest. Ich habe inzwischen von anderen Eltern gehört, dass ihre Kinder stärkere Medikamente brauchen, weil die Antibiotika nicht mehr wirken. Und ich denke mir, natürlich wirken sie nicht mehr, wenn ihr sie bei jedem Schnupfen einsetzt. Ich habe zwar nicht Medizin studiert, aber ich habe Angst, dass sich bei meinen Kindern Antibiotika-Resistenzen bilden, und versuche demnach, wenn möglich, Arztbesuche hier in Serbien zu vermeiden.

Kräuter hingegen sind kostenlos, gesund (wenn sie nicht giftig sind) und so vielseitig verwendbar. Auf Spaziergängen mit einer Freundin habe ich inzwischen schon so viele verschiedene uns vorher unbekannte Kräuter gefunden und deren Wirkung kennengelernt. Ich bin zwar bei weitem keine Expertin, aber ich lerne jedes Mal etwas neues. Die letzten Male haben wir viel Lungenkraut gesammelt und haben auch Gundermann und Ehrenpreis gefunden und uns über deren Wirkung informiert.

Wir haben auch einen See in der Nähe und meine Freundin und ich gehen oft dort in der Umgebung Kräutersammeln und springen danach in den See. Heute haben wir wieder einiges an Kräutern gesammelt. Meine Freundin hat junge Walnüsse für ihr Walnuss-Sonnenöl gesammelt, ich habe Brennnesseln für eine Anti-Schuppen-Spülung gesammelt. Ein wenig Wiesenklee und Schafgarbe für Tee haben wir auch gesammelt und verschiedene Arten von Minze wachsen dort in Hülle und Fülle. Meine Freundin hat dann ein Kraut betrachtet und gemeint, dass es vielleicht Thymian ist. Ich habe gemeint, Thymian sieht doch anders aus, habe dann aber Google befragt und es war tatsächlich Steppen-Thymian. Er riecht total intensiv und ich habe beschlossen, mir ein wenig für Tee zu trocknen.

Nach einer Runde im See haben wir dann auch noch Spitzwegerich gesammelt. Letztens habe ich eine Spitzwegerich Wund- und Heilsalbe gemacht, aber ich wollte noch ein wenig für Tees trocknen. Ich habe bisher noch keine Tee-Mischungen gemacht, aber ich würde für den kommenden Winter gerne mehrere Erkältungstee-Mischungen für verschiedene Zwecke zusammenstellen.

Auf dem Rückweg sind wir an Trauerweiden vorbeigegangen und haben dann darüber diskutiert, ob es wohl möglich wäre, selbst Weidenrindentee herzustellen.

Die Natur hat wirklich viel Heilsames zu bieten und auch, wenn ich nicht komplett ohne Schulmedizin leben könnte, versuche ich es doch immer erst, mich auf das zu beschränken, was in der Natur bereits vorhanden ist.

Einer der Vorteile in einem Land wie Serbien zu leben ist, wir waren am See, bis auf ein oder zwei Leute vollkommen alleine. Im Wasser waren wir vollkommen alleine. Um uns herum war lediglich das Zirpen der Grillen zu hören und sonst nichts. Da ich aus Wien komme, kannte ich dieses Gefühl von vollkommener Ruhe und Einsamkeit in der Natur vorher nicht. Menschen die in ländlicheren Gegenden leben kennen das sicher auch. Und auch, wenn ich mein vielseitiges, multikulturelles, grantiges Wien manchmal vermisse, habe ich doch diese Ruhe, die ein naturnahes Leben am Land mit sich bringt, schätzen und lieben gelernt.

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