All work no fun?

Dieses Jahr steht im Sommer mal keine größere Reise an. Aus persönlichen Gründen mussten Doris und ich unsere Reisepläne umwerfen bzw. einschränken. Stattdessen machen wir einfach viele Tagesausflüge in die Natur.

Mein Partner und ich haben dieses Jahr auch keinen großen Familienurlaub in Serbien geplant. Stattdessen werden wir als Familie unsere Freunde bei der Renovierung ihres Hauses in Rakovac am Fruška Gora unterstützen. Meine Freundin Milena und ihr Mann Dejan haben dieses Haus vor ein paar Jahren gekauft und leben mittlerweile auch dort, aber es ist eine ewige Baustelle oder, wie ich sagen würde, ein „Hinterholz 8“. Who knows, knows.

Die beiden haben zwei kleine Töchter, Anita, die ein Jahr alt ist und Marina, die vier Jahre alt ist und da sie sonst niemanden haben, der sie mit den Kindern unterstützt, muss Dejan fast alle Renovierungsarbeiten im Alleingang erledigen, während sich Milena um die Kinder kümmert. Diesen Sommer möchte Milena Dejan und sich selbst Unterstützung in Form von Volunteers aus dem Ausland holen und ihnen im Gegenzug Kost und Logie anbieten. Meine Familie möchte sich diesen Juni an dem Projekt beteiligen und wir werden so einen Teil unserer Sommerferien verbringen.

Die Idee hinter den Volunteers ist diese. Der Familie ist es aufgrund der Renovierungsarbeiten momentan nicht möglich, Urlaub zu machen oder zu reisen. Da sie nicht reisen können, möchte Milena durch die Volunteers ferne Länder zu sich nach Hause holen und durch diesen Kontakt ihr Leben um diese Erfahrung bereichern. Anfang Juli zum Beispiel hat sich schon eine Frau aus China angekündigt, die mit ihrem Sohn um die Welt reist. Und nach den beiden kommt eine junge Frau aus Japan auf Besuch.

Vladimir war letzte Woche, 15.6. – 20.06. bereits dort. Ich blieb mit den Kindern zu Hause, aber wir werden sie kommenden Samstag bei meiner Schwiegermutter für ein wenig Qualitytime abladen und dann nächste Woche zu zweit in Rakovac verbingen.

Das Haus liegt strategisch gut an einer Hauptstraße. Wir befinden uns hier im Fruška Gora und viele Wanderwege sind zu Fuß erreichbar. Die Stadt Novi Sad liegt auch ganz in der Nähe und ist in etwa 20 Minuten mit dem Auto erreichbar. Das Haus ist also der ideale Ausgangspunkt für Leute, die an Work and Travel interessiert sind, die Natur lieben, aber auch gerne in der Stadt unterwegs sind.

Hier die Info, falls es interessierte Volunteers gibt: https://www.workaway.info/en/host/254469675295

Milenas und Dejans Traum ist es, sich irgendwann komplett unabhängig zu machen. Sie bauen bereits jede Menge Obst und Gemüse selbst an. Momentan haben sie nur Hunde und Katzen, aber irgendwann, werden sich noch Hühner dazu gesellen. Ihre Milch holen sie täglich frisch aus dem gegenüberliegendem Kloster ab. Milena backt jeden Tag frisches Brot und Gebäck mit den Kindern. Irgendwann möchten sie einen Brunnen graben und eine Solaranlage einbauen, um bei Strom und Wasser nicht mehr vom Staat abhängig zu sein. In Zukunft steht vielleicht sogar das Homeschooling ihrer Kinder im Raum.

Es ist ein Traum, den ich sehr gut verstehen kann. Ein Traum, der zum Teil auch mein eigener ist. Diese Vorstellung, komplett unabhängig zu sein, so minimalistisch zu leben, ist sehr verlockend. Mir persönlich wären aber so viele Tiere zu viel Verantwortung. Ich möchte zwar etwas eigenes, unabhängiges, off-grid besitzen, möchte aber weiterhin die Freiheit haben zu reisen.

Diese Woche 22.6. – 26.6. sind Vladimir und ich also zu zweit in Rakovac. Untergebracht sind wir in einem zwar noch nicht renoviertem aber sehr gemütlichem Raum mit Blick auf den wunderschönen Garten. Die Männer: Vladimir, Dejan und Milenas Vater, arbeiten jeden Tag von 8:00 Uhr morgens bis 20:00 Uhr abends an der Isolation des Hauses. Zwischendurch machen sie immer mal wieder Pausen für Kaffee, kalte Getränke und Snacks. Die Hitze ist unerträglich, ich weiß nicht, wie die das schaffen, die ganze Zeit so schwer körperlich zu arbeiten. Aber auch Milena und ich stoßen an unsere Grenzen, die zwei kleinen Kinder bei dieser Hitze den ganzen Tag in Schach zu halten, während wir nebenbei den Haushalt schupfen.

Da die Hitze so unerträglich ist, entscheiden wir uns gegen einen Ausflug nach Novi Sad, aber wir schaffen es dennoch am Donnerstag Vormittag den wundschönen „Kamenički Park“ in Kamenica zu besuchen. Der Park ist sehr weitläufig und eignet sich gut für Spaziergänge mit kleinen Kindern. Unterwegs futtern wir Maulbeeren und Ringlotten. Die kleine eineinhalbjährige Anita liebt Ringlotten und bringt mich zum lachen mit der besitzergreifenden Art, in der sie so viele Früchte, wie sie tragen kann, an sich reißt und für sich beansprucht. Am Nachmittag im Garten wünscht sich die vierjährige Marina von mir, dass ich ihr einen Blumenkranz flechte.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich bei einem Arbeits-Urlaub so ausruhen kann, aber es ist ein Genuss, mal wieder Zeit mit kleinen Kindern zu verbringen und sich auf die einfachen Dinge im Leben zu konzentrieren. Meine eigenen Kinder sind ja schon so groß und ich hätte nicht gedacht, dass ich diese Kleinkind-Phase irgendeinmal so vermissen werde. Ich genieße das einfache Leben und die Natur in Rakovac so sehr.

Was mich am meisten freut, ist, dass wir hier jeden Tag von Milenas Vater gut bekocht werden und ich mir keine Gedanken um Kochen oder sonstige Hausarbeiten machen muss. Hier bin ich einfach bloß Milenas kleines Helferlein. Ich helfe bei der Wäsche, beim Putzen, beim Aufräumen und beim Kinderhüten. Es ist kein typischer Urlaub, bei dem man am Strand relaxt oder Museen in fremden Städten erkundet, aber fünf Tage nicht zu Hause zu sein und fünf Tage ganz in deren Welt zu leben hat mich psychisch wirklich ausgeruht.

Hinterlasse einen Kommentar